Pressemitteilung vom 23. Oktober 2010

23. Oktober 2010

Sprachpreis feiert Jubiläum

Zum zehnten Mal wurde am Samstag in Kassel der dreiteilige Kulturpreis Deutsche Sprache verliehen. Udo Lindenberg erhielt den mit 30.000 Euro dotierten Jacob-Grimm-Preis, die „Arbeitsstelle für deutschmährische Literatur“ der Universität Olmütz den mit 5.000 Euro dotierten Initiativpreis, und der undotierte Institutionenpreis ging an die Rechts- und Staatswissenschaftliche Fakultät der Universität Greifswald. Der Kulturpreis Deutsche Sprache wird jährlich von der Eberhard-Schöck-Stiftung (Baden-Baden) und vom Verein Deutsche Sprache e.V. (Dortmund) vergeben.

Vor über 1.000 Gästen bewies Panik-Udo, dass er zu Recht für seine sprachlichen Leistungen ausgezeichnet wurde. In seinen Texten erzählt der Künstler Geschichten, mit seinen Liebesliedern berührt er die Herzen seiner Zuhörer, die politischen Botschaften seiner musikalischen Werke regen zum Nachdenken an. Eine Kostprobe davon bekamen die Gäste zu hören, als die deutsche Rocklegende stilecht mit Hut und Sonnenbrille während seiner Dankrede seine Erfolgsstücke „Horizont“ und „Der Astronaut“ darbot. Udo Lindenberg ist aus der Geschichte der deutschen Rockmusik nicht mehr wegzudenken.

Wie sehr Lindenberg die deutsche Rockmusik geprägt hat, hebt der Journalist und Schriftsteller, Matthias Matussek, in seiner Laudatio hervor. Die „nuschelnde Nachtigall“ habe mit „ihrem Easy-Deutsch“ die Rockmusik revolutioniert. „Udos Text sind Poesie, autobiographische Lyrik – und das in deutscher Sprache.“

Frühere Preisträger sind unter anderem Loriot, Frank Schirrmacher und Cornelia Funke.

Der Initiativpreis Deutsche Sprache ging an die Arbeitsstelle für deutschmährische Literatur der Universität Olmütz in der Tschechischen Republik. Sie widmet sich der Erforschung der deutschsprachigen Literatur, die in Mähren entstanden ist bzw. von Autoren geschrieben wurde, die mit Mähren verbunden sind, etwa Bertha von Suttner, Max Zweig oder Peter Härtling.

Prof. Dr. Helmut Glück, Sprachwissenschaftler und Jury-Sprecher, unterstrich in seiner Laudatio die Bedeutsamkeit des Schaffens der Arbeitsstelle: „Es gehörte in Olmütz bis 1989 Mut dazu, auf die Existenz des deutschen Anteils an der Literatur der eigenen Gegend zu pochen, an diese Literatur zu erinnern, sich mit ihr zu befassen.“ Denn nach dem Zweiten Weltkrieg wurde die deutschsprachige Bevölkerung zum großen Teil vertrieben. Auch für die Aufarbeitung dieser düsteren Jahre des Vergessens wurde die Arbeitsstelle nun ausgezeichnet. „Sie will interessierten Forschern eine möglichst lückenlose Sammlung von Fakten bieten, die die deutschsprachige Literatur Mährens betreffen“, erklärt der Sprecher der Jury.

Damit wird erneut eine Einrichtung ausgezeichnet, deren Verdienste um die deutsche Sprache Landesgrenzen überschreiten. „Der Kulturpreis Deutsche Sprache hat eine interkulturelle, transnationale, völkerverbindende Perspektive, auf die er stolz ist“, so Glück in seiner Laudatio. In früheren Jahren erhielten diesen Teilpreis u.a. der Verein zur pädagogischen Arbeit mit Kindern aus Zuwandererfamilien (Osnabrück), das Projekt „Deutsch-Mobil“ in Frankreich und die Deutsche Bibliothek Helsinki.

Der Institutionenpreis Deutsche Sprache wurde der Staats- und Rechtswissenschaftlichen Fakultät der Ernst-Moritz-Arndt-Universität Greifswald verliehen. Sie hält bis heute am bewährten Diplomstudiengang fest und möchte verhindern, dass der Diplom-Kaufmann dem Bologna-Prozess komplett zum Opfer fällt. Zudem bietet sie diesen Studiengang vollständig in deutscher Sprache an. „Es gibt nur noch eine einzige Wirtschaftsfakultät in unserem Land, die an der bewährten Humboldtschen Einheit von Forschung und Lehre festhält“, stellt Prof. Dr. Walter Krämer, Mitglied der Jury und Wirtschaftswissenschaftler an der TU Dortmund, fest. Wenn bei der verunglückten Bologna-Reform eine Reparatur auf die andere folge, gerade dann halten die Greifswalder an Ihrem Ideal fest: Sie reparieren nicht, sie machen von vornherein nicht mit, so der Laudator.

Bisher wurden unter anderem die Deutschsprachige Gemeinschaft Belgiens, die Zeitschrift „Angewandte Chemie“ und der SWR-Sender „DasDing“ mit dem Institutionenpreis ausgezeichnet.