Pressemitteilung vom 2. Mai 2011

2. Mai 2011

Sprachpreis für Lyrikerin

Der Jacob-Grimm-Preis Deutsche Sprache für das Jahr 2011 geht an Nora Gomringer (Bamberg). Sie erhält den Preis für ihre sprachliche Leistung als Lyrikerin, die einer neuen Form des Dichtens in Deutschland zur Popularität verhalf – der „Slam Poetry“. Die Autoren von Texten dieser Art spielen mit der Sprache, kneten, verdrehen und zwirbeln sie, arbeiten sich an ihr und mit ihr ab. Sie widerlegen das Vorurteil, dass sich die Generation der Zwanzigjährigen für Sprache nicht interessiere, Sprache nur als Werkzeug für die Verständigung im Alltag verstehe. „Poetry Slam“ ist ein Wettbewerb, bei dem Texte vor einem (meist sehr kritischen) Publikum vorgetragen und von ihm bewertet werden. Nicht jeder dieser Texte verdient das Prädikat „Kunst“, aber die meisten von ihnen sind Zeugnisse für eine intensive Auseinandersetzung mit den Möglichkeiten der deutschen Sprache. Nora Gomringer hat diese Art des Dichtens populär gemacht und ihr Seriosität verliehen. Sie bringt durch ihre frischen, verspielten und oft kecken Texte, aber auch durch die mitreißende Art ihrer Darbietung einen neuen Ton in die Lyrik der Gegenwart. Seit 2010 ist sie Direktorin des Internationalen Künstlerhauses Villa Concordia des Freistaats Bayern in Bamberg. Sie ist die erste Vertreterin der Kunstform Lyrik, die den Jacob-Grimm-Preis erhält, und seine mit Abstand jüngste Trägerin.

Eine treffende Übersetzung von „Poetry Slam“ ins Deutsche gibt es nicht. Vorschläge wie „Dichterwerkstatt“, „Poesieschlacht“ oder „Dichterwettkampf“ überzeugen die Jury für den Kulturpreis Deutsche Sprache nicht. Deshalb schreibt sie einen Preis für eine originelle und treffende deutsche Entsprechung von „Poetry Slam“ aus. Der beste Vorschlag wird mit € 500,- prämiert. Er wird im Rahmen der Verleihung des Kulturpreises Deutsche Sprache am 15. Oktober 2011 in Kassel bekanntgegeben werden. Vorschläge können bis zum 22. Juni 2011 an poetry-slam@kulturpreis-deutsche-sprache.de, über das Formular auf www.kulturpreis-deutsche-sprache.de oder per Post an die untenstehende Adresse gerichtet werden.

Der Jacob-Grimm-Preis ist mit € 30.000,- dotiert. Er ist Teil des Kulturpreises Deutsche Sprache, der 2011 zum elften Mal von der Eberhard-Schöck-Stiftung(Baden-Baden) und vom Verein Deutsche Sprache vergeben wird. Zu seinen bisherigen Trägern gehören u. a. Udo Lindenberg, Cornelia Funke, Frank Schirrmacher, Günther de Bruyn, Paul Kirchhof und Vicco von Bülow alias Loriot.

Der zweite Teilpreis ist der Initiativpreis Deutsche Sprache. Er geht 2011 an den Siegener Philosophen Dieter Schönecker für seine Verdienste um die Wissenschaftssprache Deutsch. Professor Schönecker gründete 2006 das Zentrum für Kommentarische Interpretationen zu Kant (ZetKIK). Es widmet sich der Analyse von Themen und Texten der Philosophie Kants. Die Studien des Zentrums werden in deutscher Sprache abgefasst, seine Tagungen und Kurse werden auf Deutsch abgehalten, was in der Forschung über die Klassische Deutsche Philosophie keine Selbstverständlichkeit (mehr) ist. Dieser Teilpreis ist mit € 5.000,- dotiert. In den vergangenen Jahren war er u. a. der Arbeitsstelle für deutschmährische Literatur der Universität Olmütz, der Schriftstellerin Marica Bodrožić und der Deutschen Bibliothek Helsinki zugesprochen worden.

Der dritte Teilpreis ist der undotierte Institutionenpreis Deutsche Sprache, der 2011 der Deutschlandstiftung Integration für ihre Initiative „Ich spreche Deutsch“ verliehen wird. Der Name der Initiative ist ihr Programm: sie möchte bewirken, dass Menschen mit Migrationshintergrund, die dauerhaft in Deutschland leben und arbeiten, die deutsche Sprache beherrschen. Sie möchte sie durch die Förderung ihrer Deutschkenntnisse in unsere Gesellschaft integrieren. Bisher erhielten diesen Teilpreis u. a. die Rechts- und Staatswissenschaftliche Fakultät der Universität Greifswald, die Deutschsprachige Gemeinschaft Belgiens, die Schweizerische Post, die „Stuttgarter Zeitung“ und die Zeitschrift „Computer-Bild“.

 

Die Jury für den Kulturpreis Deutsche Sprache:
Prof. Dr. Helmut Glück (Sprecher, Bamberg), Prof. Dr. Wolf Peter Klein (Würzburg), Prof. Dr. Walter Krämer (Dortmund), Dipl.-Ing. Eberhard Schöck (Baden-Baden).
Anschrift: Prof. Dr. Glück, Otto-Friedrich-Universität, 96045 Bamberg.