02 Aug

Warum ich den Kulturpreis Deutsche Sprache gestiftet habe

Meine Stiftung, die Eberhard-Schöck-Stiftung, hat sich zwei Hauptaufgaben vorgenommen: Seit 1993 die Förderung der Handwerkerausbildung in ehemals kommunistischen Ländern und seit 2000 die Vergabe des Kulturpreises Deutsche Sprache.

Als politischer Mensch engagiere ich mich gerne für die Zukunft unseres Landes. Aus dem Gefühl einer Verpflichtung heraus habe ich die Eberhard-Schöck-Stiftung gegründet und mit der Hälfte meines Aktienkapitals an der Schöck AG ausgestattet. Die Stiftung gab sich das Motto „Wandel durch Ausbildung“.

Durch die Ausbildung von Handwerkern unterstützt die Eberhard-Schöck-Stiftung die ehemals kommunistischen Länder Mittel- und Osteuropas, die auch Opfer des zweiten Weltkrieges waren.  Unser Ziel ist die Befähigung der Handwerker zur Selbständigkeit in ihrem Heimatland.

Bei diesem Programm ist die Völkerverständigung ein ebenso wichtiges Ziel. Die jungen Handwerker haben ein wenig unsere Sprache gelernt, unser Land und unsere Leute kennengelernt und damit mögliche Vorurteile, sowohl bei sich als auch bei ihren hiesigen Arbeitskollegen und Bekannten, abgebaut. Dabei beobachten wir, dass nur der ein guter Gastgeber ist, der stolz auf sein Zuhause ist.

Die eigene Identität bewahren

Wichtig ist mir dabei der Hinweis, dass eine nationale deutsche Identität nichts mit übersteigertem Nationalismus oder gar Chauvinismus zu tun hat. Jedes unserer Nachbarländer – ob Frankreich, die Niederlande oder Polen usw. – hat ein eigenes nationales Bewusstsein und pflegt dieses im Wissen, dass ein Volk nur dann als Einheit erfolgreich sein und in der Völkergemeinschaft einen positiven Beitrag leisten kann, wenn es eine eigene Identität hat und bewahrt.

Der französische Staatspräsident Jacques Chirac hat in seiner Rede am 28. Juni 2000 vor dem deutschen Bundestag deutlich für die Erhaltung der Nationalstaaten plädiert und dies auch begründet. Er sagte wörtlich: „Aus unseren Nationen, in denen wir verwurzelt sind, schöpfen wir unsere Identität. Die Vielfalt ihrer politischen, kulturellen und sprachlichen Traditionen ist eine der Stärken unserer Union. Auch in Zukunft werden die Nationen die wichtigsten Bezugspunkte unserer Völker darstellen.“

Fehlender Mut

Warum haben unsere Politiker und Intellektuellen nicht den Mut in aller Offenheit und Konsequenz über dieses Thema zu sprechen?

Ich habe für mich die Initiative ergriffen: Anfang des Jahres 2000 habe ich ein weiteres Aktien-Paket in die Eberhard-Schöck-Stiftung eingebracht. Der Ertrag dieser Aktien steht für einen „Kulturpreis Deutsche Sprache“ zur Verfügung.

Die uns fehlende Nationalidentität hat auch zu einer Gleichgültigkeit gegenüber unserer Sprache geführt. Der Schluss sollte erlaubt sein, dass umgekehrt über den Schutz der Sprache auch die Entwicklung eines gesunden Nationalbewusstseins möglich sein sollte.

Sich selbst ernstnehmen

Wenn wir aber selbst unsere Sprache nicht lieben und schätzen, wie soll sie dann von anderen geschätzt werden? Wie soll man als Volk ernst genommen werden, wenn man sich selbst nicht ernst nimmt!

Der „Kulturpreis Deutsche Sprache“ soll deshalb an Personen und Institutionen vergeben werden, die sich verdienstvoll und erfolgreich für den Erhalt und die kreative Weiterentwicklung unserer Sprache einsetzen. Mit einem Preisgeld von insgesamt 35.000 € ist er einer der höchstdotierten Sprach- und Literaturpreise im deutschen Sprachbereich. Die Vergabe des Preises erfolgt zusammen mit dem „Verein Deutsche Sprache e.V. (VDS)“, Dortmund. Der VDS setzt sich besonders für die Bewahrung der deutschen Sprache in einem Europa mit der ihm eigenen Kultur- und Sprachenvielfalt ein.

 

Eberhard Schöck