Baden-Baden –Am Samstag wurde in Baden-Baden zum 24. Mal der Kulturpreis Deutsche Sprache in drei Sparten verliehen: Vor 400 geladenen Gästen erhielt Hape Kerkeling den mit 30.000 Euro dotierten Jacob-Grimm-Preis (Hauptpreis). Weiterhin ausgezeichnet wurden das Projekt „Echt absolut – Literarisches Übersetzen mit Jugendlichen“ (Initiativpreis) sowie das Zentrum für vorsprachliche Entwicklung und Entwicklungsstörungen (ZVES) am Universitätsklinikum Würzburg (Institutionenpreis). Der Kulturpreis Deutsche Sprache wird alljährlich von der Eberhard-Schöck-Stiftung (Baden-Baden) gemeinsam mit der Deutschen Akademie für Sprache und Dichtung (Darmstadt) verliehen.
Gleich zu Beginn seiner Dankesrede erinnerte Kerkeling an seine Mutter: „Sie hat mir die Liebe zur deutschen Sprache beigebracht. Sie ließ keine Pointe aus und zeigte mir, dass zur Sprache auch Lachen und Weinen gehört.“ Denn für ihn sei Sprache mehr als nur Bedeutung, sie sei Emotion. „Deshalb nähere ich mich meiner Muttersprache vor allem mit dem Herzen.“ Das Italienische beispielsweise sei eine exakte und genaue Sprache. „Die deutsche Sprache dagegen ist eine philosophische Sprache“, so Kerkeling. „Ich liebe die deutsche Sprache, sie ist Kern meiner Arbeit und Kern meines Seins.“ Das Preisgeld stifte er dem Bundesverband Alphabetisierung und Grundbildung e.V. in Münster, schloss er seine Rede.
In ihrer Laudatio stellte Dr. Marie-Agnes Strack-Zimmermann seine Sprachgewalt und Phantasie heraus. „Seine Art von Humor und seine Beobachtungsgabe haben ohne Zweifel Einfluss auf die deutsche Sprache genommen“, so Strack-Zimmermann. Er könne zwischen Ernsthaftigkeit und Komik blitzschnell wechseln, Dialekte und Akzente mit Perfektion darstellen, Figuren allein über die Stimme unverwechselbar machen und zugleich als Autor eine literarische Stimme sein, die Millionen erreiche. „Sie sind nicht nur ein begnadeter Entertainer, sondern einer der vielseitigsten Sprachkünstler im deutschsprachigen Raum“, resümierte die Laudatorin.
Initiativpreis: Eintauchen in das Fremde
Zuvor wurde der mit 5.000 Euro dotierte Initiativpreis Deutsche Sprache an Nina Thielicke und Christine Wagner überreicht. Sie leiten das Projekt „Echt absolut – Literarisches Übersetzen mit Jugendlichen“, das als gemeinsame Initiative des Literarischen Colloquiums Berlin und des Deutschen Übersetzerfonds vor sieben Jahren gegründet wurde mit dem Ziel, jungen Menschen unter professioneller Anleitung den Prozess des Übersetzens näherzubringen. Felicitas Schöck, Mitglied der Jury, hob in ihrer Laudatio hervor, dass hier nicht nur sprachliche Aspekte gewürdigt würden, sondern es auch um Völkerverständigung gehe. „Das brauchen wir so sehr wie seit Jahrzehnten nicht mehr“, sagte sie. Das Projekt ermögliche aber auch das Erleben der Eigenheiten einer Sprache, das Erspüren ihrer Feinheiten, das Lesen zwischen den Zeilen, das Entdecken anderer Denkweisen und Kulturen. „Lassen Sie uns also gemeinsam die Brücken feiern, die hier zwischen Sprachen, Kulturen und Generationen gebaut werden.“
Die Projektleiterinnen Nina Thielicke und Christine Wagner bestätigten diese Sichtweise: „Es geht bei unseren Workshops um das Eintauchen in das Fremde, um das Interkulturelle und den kreativen Umgang mit Sprache – insbesondere der Muttersprache.“ Sie verstehen Mehrsprachigkeit als Stärke und Bereicherung – und genau dafür wollen sie die Jugendlichen würdigen. „Wir nehmen den Preis auch im Namen aller jungen Menschen entgegen, die ihre Neugierde, ihre Energie, ihren Humor und ihre Kreativität in die Arbeit mit Übersetzungen gesteckt haben.“ Das Preisgeld möchten sie in ein größeres Netzwerktreffen investieren, um die kulturelle Bildung im Bereich der Literaturübersetzung weiter voranzubringen.
Institutionenpreis: Schon Babys weinen mit Akzent
Den undotierten Institutionenpreis Deutsche Sprache erhielt das Zentrum für vorsprachliche Entwicklung und Entwicklungsstörungen (ZVES), das von Prof. Dr. Kathleen Wermke geleitet wird. Der Sprachwissenschaftler Prof. Dr. Helmut Glück ehrte sie in seiner Laudatio als Grundlagenforscherin in einem Übergangsbereich zwischen Biologie, Medizin und Linguistik. „Sie hat herausgefunden, dass es zunächst einfache Tonkurven sind, die das Babyweinen charakterisieren, Tonkurven aus Melodien, Rhythmen, Lautstärken und Klangfarben.“ Und sie habe zeigen können, dass sich diese Grundbausteine in Abhängigkeit davon unterscheiden, welche Sprache die Mutter während der Schwangerschaft gesprochen oder ob sie ein Instrument gespielt habe. Auch der Frage, ob man vom Babyweinen auf Entwicklungsstörungen im Gehirn des Babys schließen kann, sei sie nachgegangen. „Wir zeichnen mit ihr eine Pionierin in einem Forschungsfeld aus, das noch viele offene Fragen für uns parat hat. Wesentliche Fragen hat sie gestellt, einige davon hat sie beantwortet.“
Prof. Dr. Kathleen Wermke freute sich über die Ehrung und die damit verbundene Anerkennung. Es sei nicht leicht, in der Öffentlichkeit angesichts der aktuellen globalen Probleme gesehen zu werden. „Sprache beginnt nicht mit dem ersten Wort, sie beginnt im Mutterleib. Und es war ein steiniger Weg, unser Forschungsfeld zu etablieren“, so die Biologin. Inzwischen lasse sich über die Sprach- und Stimmdiagnostik eine Hörstörung bei Babys schon sehr früh behandeln. Neben der wissenschaftlichen Bedeutung ihrer Grundlagenforschung mache es aber auch einfach Freude, Babys genauer zuzuhören: „Jeder Mensch beginnt mit einem lauten Schrei, aber in Wirklichkeit ist es ein Gesang.“
Hintergrund zum Kulturpreis Deutsche Sprache
Der Kulturpreis Deutsche Sprache wird von der Eberhard-Schöck-Stiftung gemeinsam mit der renommierten Deutschen Akademie für Sprache und Dichtung in drei Sparten verliehen. Ausgezeichnet werden seit 2001 alljährlich Personen, Institutionen und Initiativen, die sich in besonderem Maße um die deutsche Sprache verdient gemacht haben. Der Jacob-Grimm-Preis (Hauptpreis) ging bisher an bekannte Persönlichkeiten wie die Wissenschaftsjournalistin Mai Thi Nguyen-Kim, Udo Lindenberg, Cornelia Funke, Loriot, Ulrich Tukur oder die Fantastischen Vier.

Im Kurhaus Baden-Baden wurde zum 24. Mal der Kulturpreis Deutsche Sprache in drei Sparten verliehen: Vor 400 geladenen Gästen erhielt Hape Kerkeling den mit 30.000 Euro dotierten Jacob-Grimm-Preis (Hauptpreis). Weiterhin ausgezeichnet wurden das Projekt „Echt absolut – Literarisches Übersetzen mit Jugendlichen“ (Initiativpreis) sowie das Zentrum für vorsprachliche Entwicklung und Entwicklungsstörungen (ZVES) am Universitätsklinikum Würzburg (Institutionenpreis).

Nina Thielicke (rechts) und Christine Wagner nehmen von Felicitas Schöck (links) den mit 5.000 Euro dotierte Initiativpreis Deutsche Sprache für das Projekt „Echt absolut – Literarisches Übersetzen mit Jugendlichen“ entgegen. Sie feiern gemeinsam die Brücken, die hier zwischen Sprachen, Kulturen und Generationen gebaut werden.

Prof. Dr. Kathleen Wermke vom Universitätsklinikum Würzburg bekommt für Ihre Forschung im Übergangsbereich zwischen Biologie, Medizin und Linguistik den Institutionenpreis Deutsche Sprache, überreicht durch Prof. Dr. Helmut Glück, Mitglied der Jury.

Hape Kerkeling erhält den mit 30.000 Euro dotierten Jacob-Grimm-Preis im Kurhaus Baden-Baden, neben ihm die Laudatorin Dr. Marie-Agnes Strack-Zimmermann. Für sie ist Hape Kerkeling einer der größten Sprachartisten im deutschsprachigen Raum.







