15. Oktober 2011: Lyrikerin geehrt

Zum elften Mal wurde am Samstag in Kassel der Kulturpreis Deutsche Sprache verliehen. Er besteht aus drei Teilen. Nora-Eugenie Gomringer erhielt den mit 30.000 Euro dotierten Jacob-Grimm-Preis, Prof. Dr. Dieter Schönecker den mit 5.000 Euro dotierten Initiativpreis, und der undotierte Institutionenpreis ging an die Deutschlandstiftung Integration. Der Kulturpreis Deutsche Sprache wird jährlich von der Eberhard-Schöck-Stiftung (Baden-Baden) und vom Verein Deutsche Sprache e.V. (Dortmund) vergeben.

Mehrere hundert Gäste ließen sich von der lebhaften Vortragskunst Nora Gomringers mitreißen. Als Kostprobe trug sie ihr Gedicht „Seid ihr alle da“ vor. Die junge Lyrikerin spielt mit der Sprache. In ihren Texten und deren Darstellung geht sie an die Grenzen dessen, was mit Sprache möglich ist. Jörg Thadeusz, Journalist, Moderator und Schriftsteller, würdigte die Leistungen der 31-Jährigen in seiner Laudatio: „Sie ist die Königin des Poetry Slam.“

Frühere Preisträger sind unter anderem Loriot, Cornelia Funke und Udo Lindenberg.

Im Frühjahr hatte die Jury des Kulturpreises Deutsche Sprache dazu aufgerufen, ihr Vorschläge für eine Entsprechung für „Poetry Slam“ zuzusenden. Mehr als 400 Vorschläge bewiesen Einfallsreichtum und Sprachbewusstsein wie Wortbewerb,Dichtfest oder Lyrikgipfel. Überzeugt hat am Ende das Wort Lyrelei. Den Juroren ging es um eine originelle und treffende Entsprechung, nicht um einen durchsetzungsfähigen Ersatz. Diesen könne es gar nicht geben, denn die internationale Gemeinschaft identifiziert sich mit dem Begriff „Poetry Slam“ und würde keinen Ersatz zulassen. Die Kreativität im Umgang mit Sprache habe im Mittelpunkt der Suche gestanden, wie es ja auch beim „Poetry Slam“ der Fall sei, erklärte die Jury. Das Preisgeld von € 500,- geht an Miriam Lehmann aus Leipzig fürLyrelei.

Der Initiativpreis Deutsche Sprache ging an den Siegener Philosophen Prof. Dr. Dieter Schönecker. Der Kant-Spezialist setzt sich für den Erhalt und die Förderung der Wissenschaftssprache Deutsche in seinem Fach ein. Für ihn sei eine Selbstverständlichkeit Kants Texte im Original zu lesen und zu ergründen.

Prof. Dr. Wolf Peter Klein hob in seiner Laudatio hervor, dass das Deutsche innerhalb der Philosophie unverzichtbar sei: „Dieter Schönecker ist dafür eingetreten, dass die deutsche Sprache beim Studium der Philosophie nicht zu einer Marginalie wird.“ Die seit dem 18. Jahrhundert maßgeblich von deutschsprachigen Persönlichkeiten wie Kant, Nietzsche oder Heidegger geprägte Philosophie sei auch international nur anhand von Originaltexten zu erforschen.

Der Institutionenpreis Deutsche Sprache wurde der Deutschlandstiftung Integration verliehen. Wolfgang Fürstner, ihr Vorstandsvorsitzender, nahm den Preis entgegen. Die Stiftung hat es sich zur Aufgabe gemacht, Menschen mit Migrationshintergrund zu bestärken, die deutsche Sprache zu lernen. Das Beherrschen der deutschen Sprache sei die Grundlage für gelingende Integration in unserem Land. Felicitas Schöck von der Eberhard-Schöck-Stiftung lobte das Bemühen: „Sprache ist der Schlüssel, der den Dialog zwischen unterschiedlichen Kulturen ermöglicht, der Toleranz und friedliches Zusammenleben möglich macht.“

 

Die Jury für den Kulturpreis Deutsche Sprache:

Prof. Dr. Helmut Glück (Sprecher, Bamberg), Prof. Dr. Wolf Peter Klein (Würzburg), Prof. Dr. Walter Krämer (Dortmund), Dipl.-Ing. Eberhard Schöck (Baden-Baden).

2. Mai 2011: Sprachpreis für Lyrikerin

Der Jacob-Grimm-Preis Deutsche Sprache für das Jahr 2011 geht an Nora Gomringer (Bamberg). Sie erhält den Preis für ihre sprachliche Leistung als Lyrikerin, die einer neuen Form des Dichtens in Deutschland zur Popularität verhalf – der „Slam Poetry“. Die Autoren von Texten dieser Art spielen mit der Sprache, kneten, verdrehen und zwirbeln sie, arbeiten sich an ihr und mit ihr ab. Sie widerlegen das Vorurteil, dass sich die Generation der Zwanzigjährigen für Sprache nicht interessiere, Sprache nur als Werkzeug für die Verständigung im Alltag verstehe. „Poetry Slam“ ist ein Wettbewerb, bei dem Texte vor einem (meist sehr kritischen) Publikum vorgetragen und von ihm bewertet werden. Nicht jeder dieser Texte verdient das Prädikat „Kunst“, aber die meisten von ihnen sind Zeugnisse für eine intensive Auseinandersetzung mit den Möglichkeiten der deutschen Sprache. Nora Gomringer hat diese Art des Dichtens populär gemacht und ihr Seriosität verliehen. Sie bringt durch ihre frischen, verspielten und oft kecken Texte, aber auch durch die mitreißende Art ihrer Darbietung einen neuen Ton in die Lyrik der Gegenwart. Seit 2010 ist sie Direktorin des Internationalen Künstlerhauses Villa Concordia des Freistaats Bayern in Bamberg. Sie ist die erste Vertreterin der Kunstform Lyrik, die den Jacob-Grimm-Preis erhält, und seine mit Abstand jüngste Trägerin.

Eine treffende Übersetzung von „Poetry Slam“ ins Deutsche gibt es nicht. Vorschläge wie „Dichterwerkstatt“, „Poesieschlacht“ oder „Dichterwettkampf“ überzeugen die Jury für den Kulturpreis Deutsche Sprache nicht. Deshalb schreibt sie einen Preis für eine originelle und treffende deutsche Entsprechung von „Poetry Slam“ aus. Der beste Vorschlag wird mit € 500,- prämiert. Er wird im Rahmen der Verleihung des Kulturpreises Deutsche Sprache am 15. Oktober 2011 in Kassel bekanntgegeben werden. Vorschläge können bis zum 22. Juni 2011 an poetry-slam@kulturpreis-deutsche-sprache.de, über das Formular auf www.kulturpreis-deutsche-sprache.de oder per Post an die untenstehende Adresse gerichtet werden.

Der Jacob-Grimm-Preis ist mit € 30.000,- dotiert. Er ist Teil des Kulturpreises Deutsche Sprache, der 2011 zum elften Mal von der Eberhard-Schöck-Stiftung(Baden-Baden) und vom Verein Deutsche Sprache vergeben wird. Zu seinen bisherigen Trägern gehören u. a. Udo Lindenberg, Cornelia Funke, Frank Schirrmacher, Günther de Bruyn, Paul Kirchhof und Vicco von Bülow alias Loriot.

Der zweite Teilpreis ist der Initiativpreis Deutsche Sprache. Er geht 2011 an den Siegener Philosophen Dieter Schönecker für seine Verdienste um die Wissenschaftssprache Deutsch. Professor Schönecker gründete 2006 das Zentrum für Kommentarische Interpretationen zu Kant (ZetKIK). Es widmet sich der Analyse von Themen und Texten der Philosophie Kants. Die Studien des Zentrums werden in deutscher Sprache abgefasst, seine Tagungen und Kurse werden auf Deutsch abgehalten, was in der Forschung über die Klassische Deutsche Philosophie keine Selbstverständlichkeit (mehr) ist. Dieser Teilpreis ist mit € 5.000,- dotiert. In den vergangenen Jahren war er u. a. der Arbeitsstelle für deutschmährische Literatur der Universität Olmütz, der Schriftstellerin Marica Bodrožić und der Deutschen Bibliothek Helsinki zugesprochen worden.

Der dritte Teilpreis ist der undotierte Institutionenpreis Deutsche Sprache, der 2011 der Deutschlandstiftung Integration für ihre Initiative „Ich spreche Deutsch“ verliehen wird. Der Name der Initiative ist ihr Programm: sie möchte bewirken, dass Menschen mit Migrationshintergrund, die dauerhaft in Deutschland leben und arbeiten, die deutsche Sprache beherrschen. Sie möchte sie durch die Förderung ihrer Deutschkenntnisse in unsere Gesellschaft integrieren. Bisher erhielten diesen Teilpreis u. a. die Rechts- und Staatswissenschaftliche Fakultät der Universität Greifswald, die Deutschsprachige Gemeinschaft Belgiens, die Schweizerische Post, die „Stuttgarter Zeitung“ und die Zeitschrift „Computer-Bild“.

 

Die Jury für den Kulturpreis Deutsche Sprache:
Prof. Dr. Helmut Glück (Sprecher, Bamberg), Prof. Dr. Wolf Peter Klein (Würzburg), Prof. Dr. Walter Krämer (Dortmund), Dipl.-Ing. Eberhard Schöck (Baden-Baden).
Anschrift: Prof. Dr. Glück, Otto-Friedrich-Universität, 96045 Bamberg.

23. Oktober 2010: Sprachpreis feiert Jubiläum

Zum zehnten Mal wurde am Samstag in Kassel der dreiteilige Kulturpreis Deutsche Sprache verliehen. Udo Lindenberg erhielt den mit 30.000 Euro dotierten Jacob-Grimm-Preis, die „Arbeitsstelle für deutschmährische Literatur“ der Universität Olmütz den mit 5.000 Euro dotierten Initiativpreis, und der undotierte Institutionenpreis ging an die Rechts- und Staatswissenschaftliche Fakultät der Universität Greifswald. Der Kulturpreis Deutsche Sprache wird jährlich von der Eberhard-Schöck-Stiftung (Baden-Baden) und vom Verein Deutsche Sprache e.V. (Dortmund) vergeben.

Vor über 1.000 Gästen bewies Panik-Udo, dass er zu Recht für seine sprachlichen Leistungen ausgezeichnet wurde. In seinen Texten erzählt der Künstler Geschichten, mit seinen Liebesliedern berührt er die Herzen seiner Zuhörer, die politischen Botschaften seiner musikalischen Werke regen zum Nachdenken an. Eine Kostprobe davon bekamen die Gäste zu hören, als die deutsche Rocklegende stilecht mit Hut und Sonnenbrille während seiner Dankrede seine Erfolgsstücke „Horizont“ und „Der Astronaut“ darbot. Udo Lindenberg ist aus der Geschichte der deutschen Rockmusik nicht mehr wegzudenken.

Wie sehr Lindenberg die deutsche Rockmusik geprägt hat, hebt der Journalist und Schriftsteller, Matthias Matussek, in seiner Laudatio hervor. Die „nuschelnde Nachtigall“ habe mit „ihrem Easy-Deutsch“ die Rockmusik revolutioniert. „Udos Text sind Poesie, autobiographische Lyrik – und das in deutscher Sprache.“

Frühere Preisträger sind unter anderem Loriot, Frank Schirrmacher und Cornelia Funke.

Der Initiativpreis Deutsche Sprache ging an die Arbeitsstelle für deutschmährische Literatur der Universität Olmütz in der Tschechischen Republik. Sie widmet sich der Erforschung der deutschsprachigen Literatur, die in Mähren entstanden ist bzw. von Autoren geschrieben wurde, die mit Mähren verbunden sind, etwa Bertha von Suttner, Max Zweig oder Peter Härtling.

Prof. Dr. Helmut Glück, Sprachwissenschaftler und Jury-Sprecher, unterstrich in seiner Laudatio die Bedeutsamkeit des Schaffens der Arbeitsstelle: „Es gehörte in Olmütz bis 1989 Mut dazu, auf die Existenz des deutschen Anteils an der Literatur der eigenen Gegend zu pochen, an diese Literatur zu erinnern, sich mit ihr zu befassen.“ Denn nach dem Zweiten Weltkrieg wurde die deutschsprachige Bevölkerung zum großen Teil vertrieben. Auch für die Aufarbeitung dieser düsteren Jahre des Vergessens wurde die Arbeitsstelle nun ausgezeichnet. „Sie will interessierten Forschern eine möglichst lückenlose Sammlung von Fakten bieten, die die deutschsprachige Literatur Mährens betreffen“, erklärt der Sprecher der Jury.

Damit wird erneut eine Einrichtung ausgezeichnet, deren Verdienste um die deutsche Sprache Landesgrenzen überschreiten. „Der Kulturpreis Deutsche Sprache hat eine interkulturelle, transnationale, völkerverbindende Perspektive, auf die er stolz ist“, so Glück in seiner Laudatio. In früheren Jahren erhielten diesen Teilpreis u.a. der Verein zur pädagogischen Arbeit mit Kindern aus Zuwandererfamilien (Osnabrück), das Projekt „Deutsch-Mobil“ in Frankreich und die Deutsche Bibliothek Helsinki.

Der Institutionenpreis Deutsche Sprache wurde der Staats- und Rechtswissenschaftlichen Fakultät der Ernst-Moritz-Arndt-Universität Greifswald verliehen. Sie hält bis heute am bewährten Diplomstudiengang fest und möchte verhindern, dass der Diplom-Kaufmann dem Bologna-Prozess komplett zum Opfer fällt. Zudem bietet sie diesen Studiengang vollständig in deutscher Sprache an. „Es gibt nur noch eine einzige Wirtschaftsfakultät in unserem Land, die an der bewährten Humboldtschen Einheit von Forschung und Lehre festhält“, stellt Prof. Dr. Walter Krämer, Mitglied der Jury und Wirtschaftswissenschaftler an der TU Dortmund, fest. Wenn bei der verunglückten Bologna-Reform eine Reparatur auf die andere folge, gerade dann halten die Greifswalder an Ihrem Ideal fest: Sie reparieren nicht, sie machen von vornherein nicht mit, so der Laudator.

Bisher wurden unter anderem die Deutschsprachige Gemeinschaft Belgiens, die Zeitschrift „Angewandte Chemie“ und der SWR-Sender „DasDing“ mit dem Institutionenpreis ausgezeichnet.

19. Mai 2010: Sprachpreis für „Panik-Udo“

Der Jacob-Grimm-Preis Deutsche Sprache für das Jahr 2010 wurde Udo Lindenberg zugesprochen. Udo Lindenberg ist der einflussreichste und erfolgreichste deutsche Rockmusiker der letzten 40 Jahre, seine Lieder haben die deutschsprachige Rockmusik geprägt, seine Lieder haben gezeigt, dass Rockmusik in deutscher Sprache erfolgreich sein kann.

Udo L. bekommt den Preis für die Texte, die er singt und teilweise selbst geschrieben hat, zugesprochen. Einige dieser Texte sind moderne Balladen, andere sind kleine Dramen, wieder andere Liebesgeschichten, glückliche und tragische. Und auch gesungene Nonsense-Lyrik gehört zu Lindenbergs Repertoire. Die Stoffe seiner Lieder spiegeln mitunter sehr kritisch die Probleme der Gesellschaft wider. Es geht um atomare Bedrohung, Faschismus, Friedenssehnsucht oder ganz existenziell um Respekt im Umgang miteinander. Lindenbergs Texte haben Politik gemacht, etwa „Mädchen aus Ost-Berlin“, „Sonderzug nach Pankow“ oder „Bananenrebublik“; manche entwickelten sich zu Ohrwürmern, so „Andrea Doria“, „Rudi Ratlos“ oder „Cello“. Udo L. hat gezeigt, dass anspruchsvolle, schöne Rock-Texte in deutscher Sprache möglich sind und außerordentlich erfolgreich sein können. Die von ihm gegründete Udo-Lindenberg-Stiftung fördert Nachwuchskünstler, um „neue Wege gegen das Mitmarschieren in der Masse zu suchen, provokant zu schreiben und sich nicht anzupassen an den Superstar-Schrott.“

Der Jacob-Grimm-Preis ist mit € 30.000,- dotiert. Er ist Teil des Kulturpreises Deutsche Sprache, der bereits zum zehnten Mal vergeben wird. Er wird von der Eberhard-Schöck-Stiftung (Baden-Baden) und vom Verein Deutsche Sprache getragen. Zu den bisherigen Trägern des Jacob-Grimm-Preises gehören Günther de Bruyn, Paul Kirchhof, Vicco von Bülow alias Loriot und Cornelia Funke. Udo Lindenberg ist der erste Musiker in der Reihe der Preisträger.

Der Initiativpreis Deutsche Sprache geht 2010 an die Arbeitsstelle für deutschmährische Literatur der Palacký-Universität Olmütz (Olomouc) in der Tschechischen Republik. Diese Einrichtung befasst sich mit der Dokumentation und Pflege des deutschsprachigen literarischen Erbes Mährens. In der kommunistischen Zeit war dieses Erbe verleugnet worden. Mit Hilfe umfassender Quellensammlungen macht die Arbeitsstelle in Olmütz der breiten Öffentlichkeit literarische Werke von Autoren wie Robert Musil, Max Zweig oder Ernst Sommer zugänglich. Dieser Teilpreis ist mit € 5.000,- dotiert. In den vergangenen Jahren war er u. a. der Schriftstellerin Marica Bodrožić, der Deutschen Bibliothek Helsinki und dem Kasseler Netzwerk „Mensch zuerst“ zugesprochen worden.

Der undotierte Institutionenpreis Deutsche Sprache geht 2010 an die Rechts- und Staatswissenschaftliche Fakultät der Ernst-Moritz-Arndt-Universität Greifswald. Sie ist die einzige Fakultät, die am Studienabschluss ‚Diplom’ festhält und den bewährten Titel ‚Diplomkaufmann’ verleiht. Sie wird weiterhin dafür ausgezeichnet, dass man in Greifswald die Wirtschaftswissenschaften bis heute in deutscher Sprache studieren kann. Die Jury möchte mit dieser Entscheidung andere Fakultäten dazu ermutigen, sich für die Wieder-Einführung bewährter Studiengänge und anerkannter Titel (wie Diplomingenieur, Diplomgermanist, Diplommathematiker usw.) einzusetzen. Zu den früheren Trägern dieses Teilpreises gehören die „Stuttgarter Zeitung“, die Zeitschrift „Angewandte Chemie“ und die Weleda AG.

Die Preise werden am 23. Oktober 2010 in der Brüder-Grimm-Stadt Kassel verliehen.

31. Oktober 2009: Preise für Cornelia Funke, die Deutschsprachige Gemeinschaft in Belgien und den Verein Mensch zuerst aus Kassel

Der Jacob-Grimm-Preis wurde der Schriftstellerin Cornelia Funke verliehen, Ministerin Eva Kühne-Hörmann hielt die Laudatio. Der Institutionenpreis Deutsche Sprache ging an die Deutschsprachige Gemeinschaft in Belgien, er wurde von deren Ministerpräsident Karl-Heinz Lambertz entgegengenommen. Der Kasseler Verein Mensch zuerst e.V. erhielt den Initiativpreis Deutsche Sprache für seine Bemühungen um Leichte Sprache.

Zur neunten Preisverleihung kamen etwa 650 Gäste nach Kassel. Der Kasseler Oberbürgermeister Bertram Hilgen überbrachte ein Grußwort. Der Kulturpreis Deutsche Sprache wird jährlich von der Eberhard-Schöck-Stiftung (Baden-Baden) und dem Verein Deutsche Sprache e.V. (Dortmund) vergeben.

Cornelia Funke erhielt den mit 30.000 Euro dotierten Hauptpreis für ihr schriftstellerisches Werk, mit dem sie zahlreiche junge Leser für Literatur und Bücher begeistert. Nicht nur mit der Tintentrilogie, sondern auch mit der Reihe um die „Wilden Hühner“ und zahlreichen anderen Büchern gelingt es ihr, Freude an sprachlicher Kreativität und Leselust zu wecken. Auch die Verfilmung ihrer Tintenbücher findet begeisterte Anhänger, alt und jung. Mit dem Preisgeld wird Cornelia Funke gemeinnützige Einrichtungen wie z.B. Mädchenbus e.V. unterstützen.

In ihrer Laudatio hob Eva Kühne-Hörmann, die hessische Ministerin für Wissenschaft und Kunst hervor, welche Faszination die Werke von Cornelia Funke auf klein und groß ausüben. Sie strich ferner heraus, dass die Schriftstellerin nicht nur mit sicherem Gespür mit der deutschen Sprache umgehe, sondern mit ihr zu zaubern und daher zu bezaubern wisse.

In einem Gespräch mit drei Kindern gab Cornelia Funke ausführlich über den Entstehungsprozess ihrer Bücher und ihr Leben als deutsche Autorin in den USA Auskunft. Außerdem machte sie deutlich, wie wichtig es sei, die Bücher zu schreiben, die man auch selbst lesen möchte. Eines dieser Kinder war Rüchan Öz, 1996 in Hamburg geboren. Seine Eltern und Großeltern stammen aus der Türkei und leben seit Jahrzehnten in Deutschland. Rüchan besucht das Gymnasium Altona in Hamburg und nimmt am Lesepatenprogramm des Vereins Deutsche Sprache in Hamburg teil.

Frühere Preisträger sind unter anderem Vicco von Bülow alias Loriot, der Historiker Christian Meier und der Publizist Frank Schirrmacher.

Der Initiativpreis Deutsche Sprache wurde dem Verein Mensch zuerst e.V. verliehen. Er setzt sich seit Jahren für Leichte Sprache ein. Felicitias Schöck von der Eberhard-Schöck-Stiftung betonte in ihrer Lobrede, dass durch die Verdienste des Vereins um die Verwendung der Leichten Sprache ein wichtiger Beitrag dazu geleistet wird, Menschen mit Lernschwierigkeiten besser an einer Gesellschaft teilhaben zu lassen, die sich immer komplizierter ausdrückt.

In den Jahren zuvor erhielten diesen Teilpreis u.a. die Schriftstellerin Marica Bodrožić, das Projekt „Deutsch-Mobil“, der Hamburger Senator Axel Gedaschko und die Deutsche Bibliothek Helsinki.

Den Institutionenpreis Deutsche Sprache erhielt die Deutschsprachige Gemeinschaft in Belgien, die durch ihren Ministerpräsidenten Karl-Heinz Lambertz vertreten wurde. Sie wurde dafür ausgezeichnet, dass sie sich für die deutsche Sprache in Belgien einsetzt, die dort neben dem Niederländischen und dem Französischen Amtssprache ist. Mit etwa 75.000 Einwohnern in neun Gemeinden im Osten Belgiens besitzt sie eine kulturelle und in vielen Fällen auch regionale Autonomie, die in Europa einzigartig ist, wie der Laudator Prof. Dr. Reinhard Bettzuege, deutscher Botschafter in Brüssel, hervorhob.

Bisher wurden unter anderem die Zeitschrift „Angewandte Chemie“ und die Weleda AG mit dem Institutionenpreis ausgezeichnet.

12. Mai 2009: Der Kulturpreis Deutsche Sprache geht 2009 nach Los Angeles, Belgien und Kassel

Der Jacob-Grimm-Preis für das Jahr 2009 wurde Cornelia Funke zugesprochen. Cornelia Funke ist eine der wichtigsten und erfolgreichsten deutschen Schriftstellerinnen der Gegenwart. Ihre Werke wurden in viele Sprachen übersetzt.
Sie ist eine Geschichtenerzählerin, der es nicht nur auf eine spannungsreiche Handlung, sondern auch auf die sprachliche Form ankommt – hier steht sie in einer Tradition, die sie mit den Brüdern Grimm verbindet. Spürbar ist die Freude am Spiel mit der Sprache nicht zuletzt an den Titeln ihrer Bücher (z.B. Die Wilden Hühner, Tintenherz, Käpten Knitterbart) und den Namen von Figuren ihrer Geschichten (z.B. Staubfinger, Zottelkralle). Cornelia Funke wird ausgezeichnet für ihren schöpferischen und phantasievollen Umgang mit der deutschen Sprache und für ihre Fähigkeit, ihren Leserinnen und Lesern diesen Sinn für sprachliche Schönheit mitzuteilen. Die Laudatio auf Cornelia Funke wird die Hessische Ministerin für Wissenschaft und Kunst, Eva Kühne-Hörmann, halten.
Der Jacob-Grimm-Preis ist mit € 30.000,- dotiert. Zu den bisherigen Preisträgern gehören u.a. Ludmilla Putina, Vicco von Bülow (Loriot), Paul Kirchhof, Günther de Bruyn und Christian Meier.
Der Initiativpreis Deutsche Sprache geht 2009 an das Netzwerk „Mensch zuerst“ in Kassel, das sich für „leichte Sprache“ in der Öffentlichkeit einsetzt. Es möchte Menschen mit Lernschwierigkeiten die Teilhabe am öffentlichen Leben erleichtern und verhindern, dass sie aus sprachlichen Gründen sozial ausgegrenzt werden. Die Jury erblickt darin einen substantiellen Beitrag zur Förderung der deutschen Sprache, nämlich im Hinblick auf ihre Verständlichkeit. Dieser Teilpreis ist mit € 5.000,- dotiert. In den vergangenen Jahren wurde er u.a. an die Schriftstellerin Marica Bodrožić, die Deutsche Bibliothek Helsinki und den Hamburger Senator Axel Gedaschko (für seine Bemühungen um bürgernahe Verwaltungssprache) verliehen.
Der undotierte Institutionenpreis Deutsche Sprache wird dieses Jahr der Deutschsprachigen Gemeinschaft Belgiens (DG) verliehen. Die deutschsprachige Bevölkerung im Osten Belgiens genießt seit einem Vierteljahrhundert sprachlich-kulturelle und zunehmend auch regionale Autonomie. Das Deutsche wird als Amts-, Schul- und Gerichtssprache verwendet. Dazu haben Parlament und Regierung der DG wesentlich beigetragen. Sie werden dafür ausgezeichnet, dass das Deutsche „im Alltag von Wirtschaft, Politik oder Verwaltung“ verwendet werden kann. Zu den Trägern dieses Teilpreises gehörten in den Vorjahren die „Stuttgarter Zeitung“, die Zeitschrift „Angewandte Chemie“ und die Weleda AG.
Die Preise werden am 31. Oktober 2009 in Kassel überreicht.

Nähere Informationen sind beim Sprecher der Jury, Prof. Dr. Helmut Glück (helmut.glueck@uni-bamberg.de) erhältlich.

1. November 2008: Preise für die Schweizerische Post und die deutsch-kroatische Schriftstellerin Marica Bodrožić

Der Institutionenpreis Deutsche Sprache ging an die Schweizerische Post, er wurde von Dr. Ulrich Gygi, dem Konzernleiter, entgegengenommen. Marica Bodrožić erhielt den Initiativpreis Deutsche Sprache. Ulrich Wickert hielt als Ehrengast eine Festrede auf die Deutsche Sprache.

Zur achten Preisverleihung kamen etwa 500 Gäste nach Kassel. Grußworte wurden von der Hessischen Landesregierung und vom Kasseler Oberbürgermeister Bertram Hilgen überbracht. Der Kulturpreis Deutsche Sprache wird jährlich von der Eberhard-Schöck-Stiftung (Baden-Baden) und dem Verein Deutsche Sprache e.V. (Dortmund) vergeben.

Marica Bodrožić erhielt den Preis für ihre schrift­stel­le­rischen Leistungen, namentlich aber für ihre sensiblen und berührenden Re­fle­xio­nen über die reichen Ausdrucksmöglichkeiten, die ihr die deutsche Sprache, ihre zweite Spra­che, bietet. Den mit 5.000 Euro dotierten Initiativpreis Deutsche Sprache überreichte ihr die Journalistin und Literaturwissenschaftlerin Dr. Maike Albath. Sie lobte die Autorin, die in Dalmatien und Hessen zwei­sprachig aufgewachsen ist und in Berlin lebt, für ihre sprachliche Kreativität. Sie erneuere das Deutsche, zeige uns seine Ecken und Kanten auf, mache uns auf untergründige Bedeutungsebenen aufmerksam.

Vor Marica Bodrožić haben diesen Teilpreis u. a. das Projekt „Deutsch-Mobil“, der Hamburger Senator Axel Gedaschko und die Deutsche Bibliothek Helsinki er­hal­ten.

Den Institutionenpreis Deutsche Sprache erhielt in Vertretung der Schweizerischen Post ihr Konzernleiter, Dr. Ulrich Gygi.  Sie wurde dafür ausgezeichnet, daß sie die Terminologie des Postwesens nicht be­den­kenlos immer mehr verenglischt, sondern versucht, notwendige Fach­aus­drücke wieder aus den drei Amtssprachen der Schweiz zu gewinnen. Die Laudatorin Felicitas Schöck, Tochter des Stifters, stellte dar, wie diese Rückkehr zur deutschen Sprache vonstatten ging. Dr. Gygi habe als Konzernleiter eine Sensibilisierung, ja ein Umdenken bewirkt.

Bisher wurden unter anderem die Zeitschrift „Angewandte Chemie“ und die Weleda AG mit dem Institutionenpreis ausgezeichnet.

Ulrich Wickert, der frühere Tagesthemen-Moderator und Buchautor hielt eine Laudatio auf die deutsche Sprache. Darin betonte er die enge Verbindung zwischen Denken und Sprechen. Er verwahrte sich gegen sprachliche Tabus und Verschleierungen, insbesondere wenn diese gesellschaftliche Missstände verdecken sollen. So brach er eine Lanze für die Verwendung einer klaren Sprache, die bei aller Genauigkeit jedoch stets spielerisch bleiben müsse.

4. August 2008: Kulturpreis Deutsche Sprache 2008: Festrede von Ulrich Wickert

Bei der diesjährigen Verleihung des Kulturpreises Deutsche Sprache am 1. November 2008 hält Ulrich Wickert, der frühere Moderator der Tagesthemen, die Festrede. Anlass der Laudatio auf die deutsche Sprache ist die Verleihung des „Initiativpreises Deutsche Sprache“ an die Schriftstellerin und Über­set­zerin Marica Bodrožić und des „Institutionenpreises Deutsche Sprache“ an die Schweizer Post. Wickerts Rede trägt den Titel „Vom Glück, Deutsch zu sprechen“.

Der Kulturpreis Deutsche Sprache wird seit 2001 an Personen, Institutionen und Projekte aus verschiedenen Bereichen verliehen, die sich für die deutsche Sprache einsetzen, sie weiterentwickeln und pflegen. Bisherige Preisträger des mit 5.000 Euro dotierten „Initiativpreises Deutsche Sprache“ waren u. a. das Projekt „Deutsch-Mobil“, der Hamburger Senator Axel Gedaschko und die Deutsche Bibliothek Helsinki. Vor der Schweizer Post erhielten u.a. die gemeinnützige Hertie-Stiftung, das Versandhaus „Manufactum“, die „Stuttgarter Zeitung“ und die Zeitschrift „An­gewandte Chemie“ den undotierten „Institutionenpreis Deutsche Sprache“.

6. Juni 2008: Der Kulturpreis Deutsche Sprache geht 2008 nach Bern und nach Berlin

Mit dem „Initiativpreis Deutsche Sprache“ wird die Schriftstellerin und Über­set­zerin Marica Bodrožić ausgezeichnet, die in Dalmatien und Hessen zwei­sprachig aufgewachsen ist und in Berlin lebt. Dieser Preis ist mit € 5000,- dotiert. Marica Bodrožić hat das Deutsche „adopiert“ als Sprache ihres poetischen Schaf­fens – in ihrer Prosa und in ihren Versen. Sie erhält den Preis für ihre schrift­stel­le­rischen Leistungen, namentlich aber für ihre sensiblen und berührenden Re­fle­xio­nen über die reichen Ausdrucksmöglichkeiten, die ihr die deutsche Sprache, ihre zweite Spra­che, bietet. Vor ihr haben diesen Teilpreis u. a. das Projekt „Deutsch-Mobil“, der Hamburger Senator Axel Gedaschko und die Deutsche Bibliothek Helsinki er­hal­ten; das Weiterbestehen dieser Bibliothek konnte in den ver­gangenen Mo­na­ten durch gemeinsame Anstrengungen der finnischen und der deut­schen Re­gie­rung gesichert werden.

Die Schweizer Post erhält den undotierten „Institutionenpreis Deutsche Sprache“. Sie wird dafür ausgezeichnet, daß sie die Terminologie des Postwesens nicht be­den­kenlos immer mehr verenglischt, sondern versucht, notwendige Fach­aus­drücke wieder aus den drei Amtssprachen der Schweiz zu gewinnen. Sie trägt da­mit zur Erhaltung und zur Weiterentwicklung eines Fachwortschatzes des Deut­schen (und des Französischen und Italienischen) bei, der im Alltag eine gro­ße Rolle spielt. Die Schweizer Post könnte und müßte, so meint die Jury, hier ein Vor­bild für andere deutschsprachige Post- und Telekommunikationsunter­nehmen sein. In den vergangenen Jahren wurden u. a. die gemeinnützige Hertie-Stiftung, das Versandhaus „Manufactum“, die „Stuttgarter Zeitung“ und die Zeitschrift „An­gewandte Chemie“ mit diesem Teilpreis ausgezeichnet.

Die Preise werden am 1. November 2008 in Kassel überreicht werden. Den „In­sti­tutionenpreis“ wird der Konzernleiter der Schweizer Post, Dr. Ulrich Gygi, ent­ge­gen­nehmen.

Der Jacob-Grimm-Preis Deutsche Sprache wird 2008 nicht verliehen.